Wie wir Nachhaltigkeit verfolgen

Wiesenrock 2012, der Tag danach: Die Festivalwiese ist übersät von unzähligen Einwegbechern. Unter diesem Eindruck beschließen wir, die Veranstaltung künftig nach nachhaltigen Kriterien auszurichten.

Gesagt, getan: Jahr für Jahr mausert sich Wiesenrock zu einem der nachhaltigsten Festivals Österreich. Es wird mit dem Österreichischen Umweltzeichen zertifiziert, gewinnt den Wettbewerb von Green Events Austria, wird erster Green Event Tirol Star und erhält den Euregio Umweltpreis. Beim Festival werden bis zu 90 Maßnahmen im Bereich der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit umgesetzt.

Seit 2017 ist Wiesenrock zwar Geschichte. Aber Grammophons nachhaltiges Engagement geht weiter. Im Neuwirt-Saal haben wir 2020 ein regionales Kultur- und Gemeinschaftshaus gegründet. Lange lag dieser einzigartige Ort im Dornröschenschlaf. Heute ist dort an über 200 Tagen im Jahr wieder was los. Das, so finden wir, ist eine der nachhaltigsten Maßnahmen überhaupt: Dass ein altes Haus im Dorfkern wiederbelebt wird und gebaute Ressourcen fortbestehen, Erinnerungen verwurzelt bleiben und Geschichte weitererzählt wird. 2023 wurde damit begonnen, nach mehr als siebzig Jahren das Dach neu einzudecken – ein krönendes Zeichen für die neue Hoffnung im Haus.

Unter dem einladenden Neuwirt-Dach setzen wir nachhaltige Maßnahmen in sieben Bereichen:

  • Papierloses Büro: Wir arbeiten möglichst digital. Müssen wir trotzdem mal etwas ausdrucken, bekommt es als Schmierpapier ein zweites Leben: bei unserer wöchentlichen „Zettelwirtschaft“ (Bürobesprechung) oder als rückseitenbedruckte Plakate vor dem Haus.
  • Zero-Waste-Bar: An unserer Grammobar kommen alle Getränke in Mehrweggebinden. Auch der Wein. Alu fällt nur bei den Flaschendeckeln an. Nur die Tetrapak-Milch und ein paar Sirupflaschen im Jahr schleichen sich ab und zu noch als Einweggebinde ein.
  • Mülltrennung: Im Haus haben wir zwei Mülltrennstationen aus handlichen 10-Liter-Kübeln. Kleine Kübel, wenig Müll.
  • Veggie: Das Essen, das wir unseren Helfer:innen, Gästen und Künstler:innen anbieten, ist das ganze Jahr hindurch vegetarisch (und manchmal auch vegan).
  • Bio: Das Essen ist möglichst bio. Auch einige Sachen auf der Getränkekarte sind biologisch.
  • Resteverwertung: Erfreulicherweise haben wir die Mengenplanung mittlerweile so raus, dass selten viel Essen überbleibt. Egal ob viel oder wenig: Essen wird bei uns nie weggeschmissen, Die Reste verdrücken wir entweder bei unserem wöchentlichen Patschenmontag (Bürotag) oder wir nehmen sie mit nach Hause. Dafür haben wir immer genügend Mehrweg-Behälter im Haus.
  • Wiederverwendung: Ein altes Haus lädt dazu ein, Ressourcen zu nutzen, die schon da sind. Die Tische und viele Stühle im Saal stammen noch aus den 1950ern, das Geschirrkastl hinter der Bar hat schon fast 100 Jahre auf dem Buckel und kommt aus Innsbrucks ältestem Näh- und Handarbeitsladen. Für die Sitzfleischschonung haben wir Filzbahnen aufgearbeitet, die von den Kirchenbänken aus einem Nachbardorf ausgemustert worden sind. Der Leuchtkasten vor dem Haus stammt von einem 50 Meter entfernten aufgelassenen Geschäft. Unsere Teelichter gießen wir selbst (Grammo Sabrina hat daraus richtiggehende Kunstwerke gemacht) und nutzen dafür Einweggläser und Kerzenreste, die wir u.a. von der Pfarre spendiert bekommen. Stoffreste für unsere Wimpelgirlanden und andere textile Projekte kommen von Grammos und einem nahe gelegenen Einrichtungsgeschäft. Die Kirschen und Ringlo aus dem Neuwirt-Garten verarbeiten wir zu Marmelade und Mus.
  • Tirolisch und recycled: Die so gut wie einzige Drucksorte ist unser Programmfalter, der viermal im Jahr in einer Auflage von ca. 500 Stück erscheint. Gedruckt wird er auf Recyclingpapier in der nachhaltigkeitsbewussten Druckerei Pircher in Ötztal-Bahnhof.
  • Naturdeko: In die Saaldeko kommt nur Natur rein. Frisch gepflückte oder getrocknete Sträuße, Kränze, Früchte, Flechtwerk und was Karin sonst noch einfällt. Vieles, was unser umtriebiges Naturdekogrammo daherbringt, stammt aus ihrem Garten, der seinerseits als naturnaher Garten ausgezeichnet ist.
  • Ökostrom: Der vom lokalen Kraftwerk Haim gelieferte Strom stammt zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen. Zudem achten wir auf die Vermeidung unnötiger Laufzeit von Geräten.
  • LED: Die Luster und die meisten Lampen im Saal sind mit energiesparenden LED-Lampen bestückt.
  • Heizen: Die Ölheizung im alten Neuwirt-Keller ist ein Wermutstropfen. Dafür werden im Winter nur die Temperaturen im Café (Nebenraum vom Saal) gemütlich gehalten. Alle übrigen Räume werden wenig geheizt.
  • Schnittig mittig: Durch die günstige Lage im Herzen von Wattens ist der Neuwirt für die meisten Menschen im Dorf in weniger als 15 Minuten fußläufig erreichbar (der weiteste Fußmarsch liegt bei 25 Minuten). Aufgrund des dicht bebauten Ortskerns gibt es beim und rund um den Neuwirt nur wenige Parkplätze. Ein weiterer Anreiz, um zu Fuß oder mit dem Rad einzutrudeln.
  • Öffis: Die Bushaltestellen Richtung Schwaz bzw. Innsbruck sind nur einen Steinwurf entfernt. Vom Bahnhof Fritzens-Wattens sind es zu Fuß 20 Minuten zum Neuwirt, zudem gibt es mit dem Regioflink ein öffentliches On-Demand-Service.
  • Kurze Wege: Das Kultur- und Gemeinschaftshaus dient vor allem der kulturellen Nahversorgung für die Menschen in der Region zwischen Hall und Schwaz. Das bringt mit sich, dass die meisten unserer Gäste zu Fuß und mit dem Rad in den Neuwirt kommen.
  • Maßvoll feiern: Im Neuwirt kann man viel Spaß und Unterhaltung haben, er ist aber keine Partyburg. Wilde Sauffestln gibts hier nicht. Das Kultur- und Gemeinschaftshaus ist bekannt für seine gemütliche Atmosphäre.
  • Kooperation: Hundert Jahre lang war der Neuwirt-Saal der Ort, an dem sich das Dorfleben abgespielt hat. Seit 2020 knüpft Grammophon an seiner verbindenden Funktion weiter und führt ihn wieder ins Dorf zurück. Uns ist wichtig, dass auch andere den Saal nutzen können. Dafür stellen wir einen einladenden und gut funktionierenden Rahmen zur Verfügung. Pro Jahr nutzen etwa 20 verschiedene Gruppen und Einrichtungen den Neuwirt, darunter Chöre, Tanzgruppen, Traditions-, Bildungs- und Sozialvereine.
  • Querfurchen: Der Neuwirt ist kein Szenetreff, der nur eine gewisse Gruppe ansprechen will. Er versteht sich als Ort, an dem alle sein dürfen, so, wie sie sind. Ein traditionsreiches Gasthaus und ein soziokulturelles Programm – das halten wir für eine ziemlich vielversprechende Mischung. Die Früchte trägt: Im Neuwirt treffen Menschen und Einstellungen aufeinander, die sich sonst wohl nicht begegnen würden. Sie müssen nicht die dicksten Freunde werden, aber kommen sich doch ein Stück weit näher.
  • Klimakultur: Regelmäßig machen wir Sachen rund ums Klima – Vorträge, Workshops, Konzerte und Aktionen unterwegs wie Kräuterwanderungen auf Alltagswegen, Müllspaziergänge durchs Dorf oder Almpflege im Tal. Unser größtes klimakulturelles Projekt ist der Neuwirt an sich (siehe oben: Beschaffung / Wiederverwendung).
  • Aktive Zivilgesellschaft: Nachhaltige Entwicklung braucht einen kulturellen Wandel. Weg vom Von-Oben-Bestimmen, hin zum Gemeinsam-Erarbeiten. In diesem Sinne versuchen wir im Neuwirt, eine Kultur des kooperativen Tuns zu etablieren und das auch nach außen zu tragen. Wir bestärken und begleiten Menschen dabei, ihre eigenen Ideen zu verwirklichen und sich auszuprobieren, damit auch andere davon angesteckt werden. So schaffen wir es vielleicht in vielen kleinen Schritten, dass wir unsere eigenen Handlungsspielräume besser kennenlernen und erkennen, dass diese größer sind als gedacht.